Welche Unterstützung können Sie anbieten?

Tipp: Jede Einrichtung und jede
Mitarbeiterin ist anders. Prüfen Sie,
welche Maßnahmen für Ihren Fall
machbar und hilfreich sind.

Arbeitszeit

Herausforderung 1: Die Lage der Arbeitszeit passt nicht zur Angehörigenpflege.

  • Doppelt Pflegenden kann es helfen, wenn die Dienstplanung Routinen bei der Angehörigenpflege berücksichtigt und ermöglicht.
  • Passende Arbeitszeitmodelle sollten mit der Mitarbeiterin erarbeitet werden.
  • Regelmäßige Arbeitszeiten können bei der Organisation der Angehörigenpflege helfen.
  • Die Vermeidung von Spät-, Nacht- und Wochenenddienst kann bei der Erholung und im Sozialleben helfen. Beides kommt bei pflegenden Angehörigen oft zu kurz.
  • Jeder Fall ist anders. Auch ein Zyklus von einer Arbeitswoche und einer freien Woche (7/7-Arbeitszeitmodell) könnte ihre Mitarbeiterin entlasten.

Herausforderung 2: Die Angehörigenpflege erfordert langfristige Planung.

  • Kurzfristige Dienstplanänderungen können diese Planung durcheinander bringen. Berücksichtigen Sie gegebene Einschränkungen doppelt Pflegender bei Umplanungen.
  • Die frühzeitige Urlaubsplanung hilft bei der Organisation und Beantragung der Verhinderungspflege.

Herausforderung 3: Die Angehörigenpflege erfordert kurzfristige Einsatzbereitschaft.

  • Um die Unwägbarkeiten der Angehörigenpflege zu handhaben, hilft ein zeitlich flexibler Arbeitsbeginn und –ende, sowie kurze Arbeitsunterbrechungen (z.B. für dringende Telefonate).
  • Auch das kurzfristige Einrichten von Diensttausch, Freistellung und Kurzurlaub hilft. Der Einsatz von Dienstplanungs-Apps vereinfacht die entsprechenden Absprachen.

Herausforderung 4: Die Arbeitszeit ist zu lang, um genügend Zeit und Kraft für die Angehörigenpflege zu haben.

  • Zu Beginn der Angehörigenpflege hilft die einmalige Auszeit von bis zu 10 Arbeitstagen mit Lohnersatzleistungen. Mehr Informationen zu dieser und weiteren Freistellungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige(1) auf www.wege-zur-pflege.de/familienpflegezeit.html
  • Es kann auch eine zeitlich begrenzte Brückenteilzeit oder eine dauerhafte Verringerung der Arbeitszeit vereinbart werden.
  • Verringerte Arbeitszeiten bedeuten finanzielle Einbußen. Betroffene überlegen unter Umständen, stattdessen ihr Arbeitsverhältnis zu kündigen. Ein teilweiser finanzieller Ausgleich für den Entgeltausfall kann Ihnen helfen, verdiente Mitarbeiterinnen zu halten.
  • Die tatsächliche Arbeitszeit kann oft reduziert werden, indem Sie Überstunden vermeiden.

(1) Das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz regeln diese Möglichkeiten und werden Stand Juli 2019 überarbeitet.

Arbeitsorganisation

Herausforderung 5: Die Belastungen bei der Arbeit sind zu hoch oder ähneln den Belastungen der Angehörigenpflege zu sehr.

  • Doppelt Pflegende wollen evtl. bestimmte Aufgaben aussetzen oder andere Aufgaben übernehmen, weil sie sich überbeansprucht fühlen. Prüfen Sie Ihre Möglichkeiten.
  • Die Aussetzung von Zusatzaufgaben (z.B. Schichtleitung, Telefondienst) kann die Belastung für Ihre Mitarbeiterin senken.
  • Aufgaben mit flexiblen Vertretungslösungen und zeitlichem Spielraum geben Ihrer Mitarbeiterin die Möglichkeit, ihre Belastung besser zu steuern und eine Überlastung zu vermeiden.
  • Erholung ist wichtig. Auch mit störungsfreien und flexiblen Pausenzeiten helfen Sie Ihrer Mitarbeiterin.
  • Die Belastungen in der Arbeitstätigkeit und in der Angehörigenpflege sollten sich nicht zu sehr gleichen. Wer also zu Hause einen schwer demenzkranken Angehörigen pflegt, sollte beruflich eher für Klienten ohne ausgeprägte Demenz eingesetzt werden.
  • Durch die Angehörigenpflege erworbene Fähigkeiten und Erfahrungen können Sie jedoch langfristig gezielt bei der Arbeitszuweisung berücksichtigen.

Betriebliche Infrastruktur

Herausforderung 6: Angehörigenpflege erfordert Wissen und zusätzliche Ressourcen.

  • Ihr Sozialdienst könnte Ihre Mitarbeiterin unterstützen. Auch Informationen über frei werdende Plätze in der Tagespflege Ihrer Organisation können nützlich sein.
  • Die Nutzung Ihrer Kommunikationstechnik für die Angehörigenpflege ermöglicht der doppelt Pflegenden, in dringenden Fällen

Tipps für die Einrichtungsleitung

Krankenkassen und Berufsgenossenschaften können helfen

Ihre Unterstützungsmaßnahmen lassen sich möglicherweise im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) einbetten. Krankenkassen und Berufsgenossenschaften unterstützen Sie mit diversen Leistungen und Experten bei Ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement. Falls Sie noch keinen BGM-Partner haben, fragen Sie am besten eine Krankenkasse, die viele Ihrer Mitarbeiterinnen versichert, oder Ihre Berufsgenossenschaft. Auch über die Koordinierungsstelle der gesetzlichen Krankenkassen können Sie einen BGM-Partner finden: www.bgf-koordinierungsstelle.de

Informieren Sie sich auch zu den Möglichkeiten durch das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz. Maßnahmen von stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen zur besseren Vereinbarkeit von Angehörigenpflege, Familie und Pflegeberuf werden bis 2024 mit 100 Mio. Euro gefördert.

Unterstützungsmaßnahmen können rechtlich vereinbart werden

Sie können konkrete Maßnahmen als Nebenabrede zum Arbeitsvertrag festhalten. Wenn es einen Betriebsrat gibt, können Sie eine Betriebsvereinbarung abschließen.

Fördern Sie Ihre Arbeitgeberattraktivität

Heben Sie sich im Wettbewerb um neue Mitarbeiter von der Konkurrenz ab und machen Sie Ihre vereinbarkeitsorientierte Personalpolitik öffentlich. Entsprechende Betriebsvereinbarungen können Sie in einer Pressemitteilung in der Fachpresse oder auf ihrer Webseite mitteilen. Auch ohne Betriebsvereinbarung können Sie auf Ihrer Webseite, am schwarzen Brett, in Stellenausschreibungen und im Bewerbungsgespräch auf Ihre vereinbarkeitsorientierte Personalpolitik hinweisen.

Wilhelm Beckmann, Heidi Clasen, Anne-Katrin Haubold

Stand August 2019