Personenbezogene Unterstützungskonzepte für Double Duty Carer

Basierend auf den Befragungs- und Interviewergebnissen der Double Duty Carers wurden zwei Konzepte für personenbezogene Unterstützungsmaßnahmen entwickelt.

Insbesondere folgende Erkenntnisse waren handlungsleitend:

  • Eigene und fremde Erwartungen, welche aus der pflegerischen Doppelrolle resultieren, sind wichtige Einflussfaktoren für eine gelingende Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Pflegeaufgaben und die Handhabung der Doppelrolle. Das zeigen auch andere Studien zum Thema Double Duty Caregiving (Giles & Williamson, 2015; Salmond, 2011).
  • Die Ergebnisse zeigen, dass auch Pflegefachpersonen nicht automatisch aufgrund ihres beruflichen Hintergrundes über ausreichendes Wissen zur Angehörigenpflege verfügen und ohne Schwierigkeiten diese Aufgabe übernehmen können. Zudem berücksichtigen die üblichen Beratungsangebote für pflegende Angehörige die besondere Situation der Double Duty Carer nicht. Es zeigt sich aber, dass spezifische Informations- und Unterstützungsangebote für diese Zielgruppe notwendig sind.
  • Double Duty Carer sprechen i.d.R. auf der Arbeit nicht über ihre Situation, obwohl bei ca. zwei Drittel der Double Duty Carer die Vorgesetzten bzw. Kolleg_innen zumindest von der Angehörigenpflege wissen. Wenn Double Duty Carer mit Kolleg_innen über ihre Situation sprechen, dann mit Kolleg_innen, die in derselben Situation sind, also auch beruflich und privat pflegen.
  • Die Unterstützungsangebote für Double Duty Care sind in den meisten Pflegeinrichtungen nicht regulär etabliert. Häufig sind sich die Führungskräfte der Bedeutung und Wichtigkeit des Themas für die Mitarbeitenden ihrer Einrichtung nicht bewusst.

Es wurden zwei Konzepte mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt, die entsprechend den Bedarfen der Double Duty Carer eingesetzt werden können. Während das entwickelte Peer-Konzept stärker auf „Austausch und Begleitung“ fokussiert, stehen beim Workshop-Konzept „Wissen und Befähigung“ im Vordergrund (vgl. Bischofsberger & Jähnke, 2015).

Peerbegleitung

Eine Möglichkeit zur Unterstützung sind Beratungsangebote „auf Augenhöhe“. Die sind besonders wichtig, weil die Double Duty Carer i.d.R. am Arbeitsplatz  nicht über ihre Situation sprechen. Wenn sie sich austauschen, dann mit Kolleg_innen, die in derselben Situation sind, also auch beruflich und privat pflegen.

Die Entwicklung des Peer-Begleitungskonzepts basiert auf dem Peer-Support-Ansatz (Mead et al., 2001) und der Angehörigen-Peer-Begleitung aus der psychiatrischen Versorgung (Sielaff et al. 2015). Die Grundidee des Peer-Ansatzes ist, dass entsprechend geschulte Menschen, die besondere Lebenssituationen bewältigt haben, andere Menschen in ähnlicher Situation begleiten und unterstützen. Bei dem entwickelten Konzept begleiten über einen festgelegten Zeitraum Double Duty Carer, die eine_n Angehörige_n gepflegt haben oder bereits länger in der Angehörigenpflege eingebunden sind, Double Duty Carer, die aktuell aufgrund von Problemen in/mit der Angehörigenpflege beratende Unterstützung benötigen. Die begleitenden (ehemaligen) Double Duty Carer greifen dabei auf ihr eigenes Wissen und Erfahrungen mit der Angehörigenpflege zurück. Die geteilte Erfahrung schafft eine Vertrauensbasis, auf der es möglich wird, gezielte Empfehlungen zu geben und diese auch annehmen zu können.

Onlineworkshop

Als weiteres Konzept haben wir eine interaktive Workshopreihe entwickelt, die sowohl online als auch vor Ort durchgeführt werden kann. Double Duty Carer werden dazu angeleitet, ihre erlebte Doppelrolle zu reflektieren. Der Fokus liegt auf dem Umgang mit den eigenen und fremden Erwartungen. Der Austausch mit anderen Double Duty Carer ist auch hierbei ein wichtiges Gestaltungsmerkmal. In vier aufeinander aufbauenden Modulen werden Double Duty Carer herangeführt, individuelle Handlungsstrategien zu entwickeln, um besser mit den unterschiedlichen Erwartungen umgehen zu können. Geeignete Strategien probieren sie anschließend im privaten Pflegealltag aus und tauschen sich über die Erfahrungen bei der Umsetzung mit den anderen Workshopteilnehmenden aus.

Wünschen Sie weitere Informationen zu den Unterstützungskonzepten oder haben Fragen dazu, dann können Sie uns gern kontaktieren:

Frau Kerstin Thümmler (kerstin.thuemmler@ehs-dresden.de)

Frau Prof.’in Dr. Irén Horváth (iren.horvath@ehs-dresden.de)